Der rot-weiß gestreifte Leuchtturm am Blankeneser Elbstrand ist das meistfotografierte Wahrzeichen des Viertels. Klein, aber markant steht er östlich des Fähranlegers direkt in der Elbe und weist den großen Containerschiffen den Weg in den Hamburger Hafen. Seit 2020 steht hier ein neuer Turm – und der hat eine Besonderheit: An seinem Fuß befindet sich eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform.
Was viele Besucher nicht wissen: Der Leuchtturm ist mehr als nur ein hübsches Fotomotiv. Als Teil einer sogenannten Richtfeuerlinie ist er ein wichtiges Navigationsinstrument für die Schifffahrt auf der Elbe – einer der meistbefahrenen Wasserstraßen Europas.
Wie die Richtfeuerlinie funktioniert
Das Prinzip ist so einfach wie genial: Zwei Leuchtfeuer stehen in einer Linie – ein niedrigeres Unterfeuer am Wasser und ein höheres Oberfeuer im Hinterland. Wenn ein Schiffskapitän beide Lichter exakt übereinander sieht, weiß er, dass er sich genau auf der sicheren Fahrrinne befindet. Weicht er vom Kurs ab, verschieben sich die Lichter zueinander.
Das Blankeneser Unterfeuer ist 32 Meter hoch. Sein Partner, das Oberfeuer, steht rund 1,3 Kilometer entfernt im Baurs Park auf dem Kanonenberg und ragt 62 Meter in die Höhe. Beide Türme werden von der nautischen Zentrale Seemannshöft ferngesteuert.
Schiffsverkehr auf der Elbe
Täglich passieren hier Containerschiffe mit bis zu 400 Metern Länge – mehr als viermal so lang wie ein Fußballfeld. Die Fahrrinne wurde mehrfach vertieft, um diese Giganten aufnehmen zu können. Bei der letzten Elbvertiefung 2020 wurde die gesamte Richtfeuerlinie um 125 Meter nach Süden verlegt – deshalb steht heute ein neuer Leuchtturm.
Vom „Leuchtspargel" zum Wahrzeichen
Als die Blankeneser Richtfeuer 1984 errichtet wurden, war die Begeisterung im Viertel überschaubar. Die Hamburger Tageszeitungen zitierten empörte Anwohner, die vom „Leuchtspargel auf der Raketenabschussrampe" sprachen – ein „Pfahl im Fleisch der Blankeneser". Drei Jahre verzögerte der Widerstand den Bau.
Heute haben die rot-weißen Türme längst ihren festen Platz im Herzen der Hamburger gefunden. Der Leuchtturm am Strand ist zu einem der beliebtesten Fotomotive der Stadt geworden, besonders bei Sonnenuntergang, wenn die warmen Farben des Abendhimmels mit den Streifen des Turms harmonieren.
Der Elbstrand bei Blankenese – Foto: BugFix, CC BY-SA 4.0
Das Oberfeuer im Baurs Park
Während das Unterfeuer am Strand steht, thront das Oberfeuer auf dem Kanonenberg im Baurs Park. Auch dieser Turm kann besichtigt werden und bietet einen ganz anderen Blickwinkel auf die Elbe. Der Park selbst ist ein lohnenswertes Ausflugsziel mit altem Baumbestand und verschlungenen Wegen.
Übrigens: Bei einer geplanten weiteren Fahrrinnenverlegung könnte in den kommenden Jahren ein noch höherer Leuchtturm entstehen. Mit 70 Metern Höhe wäre er dann der höchste Leuchtturm Deutschlands – und würde nahe des Hirschparks stehen.
Das Schiffswrack in der Elbe
Unweit des Leuchtturms ragt bei Niedrigwasser das Heck eines Schiffswracks aus dem Wasser – die „Uwe", ein Binnenmotorschiff, das 1975 bei einer Kollision sank. Das Wrack ist heute Teil der Elblandschaft und ein weiteres beliebtes Fotomotiv, das an die Gefahren der Schifffahrt auf der Elbe erinnert.
Besuch am Leuchtturm
- Anfahrt: S-Bahn S1 bis Blankenese, dann zu Fuß durch das Treppenviertel (ca. 30 Min.) oder mit Bus 488 bis „Strandweg"
- Aussichtsplattform: Am Fuß des neuen Leuchtturms, über einen Steg erreichbar
- Bestes Fotolicht: Spätnachmittag und Sonnenuntergang
- Blick auf: Elbinsel Neßsand, vorbeifahrende Containerschiffe, gegenüberliegendes Ufer
- Einkehr: Kleine Imbisse am Strand für frische Fischbrötchen
Weiter zum Falkensteiner Ufer
Vom Leuchtturm aus lohnt sich ein Spaziergang am Strand entlang Richtung Westen zum Falkensteiner Ufer. Der Naturstrand setzt sich hier fort, im Sommer ist er sogar DLRG-überwacht. Am Weg liegt das ElbeCamp mit dem Café Lüküs – eine gute Gelegenheit für eine Pause mit Blick aufs Wasser.
In der anderen Richtung führt der Strandweg zum Fähranleger Blankenese, von wo aus die HADAG-Fähren Richtung Landungsbrücken und Finkenwerder ablegen. Ein perfekter Abschluss: Mit der Fähre über die Elbe gleiten und den Leuchtturm vom Wasser aus betrachten – dann versteht man, warum die Kapitäne ihn so gut im Blick haben müssen.